Dieses Abkommen sieht die Begrenzung
der Gefechtsköpfe auf 1550 sowie der Trägermittel auf 800
vor. Dies ist deutlich weniger als bisher! Trotzdem reicht es mehrfach
aus, die gesamte Menschheit auszulöschen.
Keinesfalls entbindet das Abkommen die USA und Russland von ihrer
Verpflichtung, den Abrüstungsprozess fortzusetzen. Auch andere
Atomwaffenstaaten müssen einbezogen werden. Endlich muss eine
Umorientierung der Außen- und Sicherheitspolitik stattfinden. Das
Gebetshafte festhalten an den Prinzipien der nuklearen Abschreckung,
dem Krieg in Afghanistan, militärischen Drohungen gegen Iran und
Nordkorea müssen aufhören. Die von Dmitri Medwedew angedeutet
Möglichkeit zu Entwicklung neuer Atomwaffen lassen an der
Abrüstungsvereinbahrung zweifeln.
Die Fortsetzung der leicht geänderten US-Atomstrategie, dem
Atomgipfel in Washington und der Überprüfungskonferenz zum
Nichtverbreitungsvertrag können 2010 zum Jahr des Durchbruchs
werden lassen. Dazu bedarf es bei allen betroffenen Staaten die
Bereitschaft, Differenzen auf dem Verhandlungsweg auszuräumen.
Dieses ist leider u.a. auch bei unserer Bunderegierung nicht zu
erkennen.
Der Weg zu einer echten Abrüstung wird nur durch den massiven
Druck der Menschen auf den Straßen erreicht werden. Zu groß
ist weiterhin die Verknüpfung von Kapital und und Rüstung.
Wir als LINKE werden dabei weiterhin eine Vorreiterrolle
übernehmen müssen. Die anderen Parteien sind zu sehr mit
Lobbyismus und ihrem Machterhalt beschäftigt.
DIE LINKE. Kreisverband Cuxhaven fordert daher die Bundesregierung auf,
ihrer Verantwortung für ein atomwaffenfreies Deutschland und
Europa nachzukommen, den zweifelhaften dritten Platz bei den
größten Waffenexporteuren zu räumen und alle
militärischen Aktivitäten außerhalb von Deutschland
einzustellen.
DIE LINKE. Vorstand des KV Cuxhaven
Nur Trippelschritte zu weiteren
Verhandlungen / Der START-Vertrag ist kein Abrüstungs-, sondern
ein Rüstungskontroll-Vertrag / Neue US-Nuklearstrategie: Kosmetik
statt Fortschritt
Anlässlich der heute (8.4.2010) erfolgten feierlichen
Unterzeichnung eines neuen START-Abkommens zur Reduzierung nuklearer
strategischer Offensivwaffen zwischen den Präsidenten Russlands
und der USA in Prag erklären die Sprecher des Bundesausschusses
Friedensratschlag,
Dr. Peter Strutynski und
Lühr Henken:
Wenn die Präsidenten der USA und Russlands heute in Prag den
START-Nachfolgevertrag feierlich unterzeichnet haben, gibt es für
die Welt wenig Grund zur Erleichterung. Das einzig Gute an dem Ereignis
ist, dass die beiden nuklearen Supermächte überhaupt einen
Vertrag zustande gebracht und damit zur gegenseitigen Vertrauensbildung
beigetragen haben. In der Sache ist das Ergebnis beschämend mager,
vor allem wenn man bedenkt, welch hochgesteckte Ziele insbesondere
US-Präsident Obama in seiner Prager Rede vom 5. April 2009
formuliert hatte, als er von einer "Welt ohne Atomwaffen" sprach.
Der START-Vertrag bezieht sich lediglich auf die "strategischen"
Atomwaffen; die stellen aber lediglich weniger als ein Viertel aller
die Menschheit bedrohenden Atomwaffen dar.
Weltweit gibt es heute ca. 23.400 nukleare Sprengköpfe, gut 22.000
davon sind im Besitz der USA und Russlands. Den Rest von rund 1.000
Sprengköpfen teilen sich Frankreich, Großbritannien, China,
Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea. Die Hälfte dieser Waffen
steht für den unmittelbaren Gebrauch bereit. Die USA und Russland
haben jeweils 1.000 Sprengköpfe in höchster
Alarmbereitschaft. Im Falle einer unmittelbaren Bedrohung bleibt den
Führungen der beiden Staaten nur jeweils vier bis acht Minuten
Zeit für eine Entscheidung. Diese Fakten zeigen, dass die
Menschheit noch sehr weit entfernt ist von der Realisierung einer
atomwaffenfreien Welt, wie sie US-Präsident Obama vor einem Jahr
in Prag werbewirksam als Vision verkündete.
Der neue START-Vertrag legt nun neue Obergrenzen für
Sprengköpfe und Trägersysteme (das sind land- und
seegestützte Interkontinentalraketen sowie Langstreckenbomber)
für strategische Nuklearwaffen fest. Zur Zeit verfügen die
USA über 2.200 strategische Sprengköpfe, Russland hat 2.500.
Nach Expertenschätzungen haben die USA 800 aktive
Trägersysteme, Russland 566. Der neue START-Vertrag erlaubt beiden
Seiten nun, jeweils 1.550 nukleare Sprengköpfe und 700
Trägersysteme einsatzbereit zu halten. Zudem werden je 100
Trägersysteme als Reserve erlaubt. Sieben Jahre nach
Vertragsabschluss müssen die vereinbarten neuen Obergrenzen
erreicht sein.
Wir stellen fest: Die Reduzierungen der Sprengköpfe sind
angesichts des großen Arsenals minimal, bei den
Trägersystemen ist Russland sogar eine Aufstockung erlaubt. Nach
Umsetzung dieses START-Abkommens bedrohen noch immer 20.400
US-amerikanische und russische Atomsprengköpfe das Leben auf der
Erde. Von einem Fortschritt oder gar "Durchbruch" bei den
Atomverhandlungen kann daher keine Rede sein. Was bleibt, ist Kosmetik.
Wirkliche Abrüstung sieht anders aus. Von Bedeutung ist nur, dass
es überhaupt zu einem verbindlichen Vertragsabschluss zwischen den
beiden großen Atommächten gekommen ist. Ein Trippelschritt -
nicht zu einer atomwaffenfreien Welt, sondern zu weiteren Verhandlungen.
Der START-Vertrag hat zudem schwerwiegende Fehler. Sie öffnen dem Vormachtstreben der USA Tür und Tor:
- Der Vertrag sieht keineswegs eine Verschrottung der Sprengköpfe
und der Trägersysteme vor; beide werden nur eingemottet und
können demnach bei sich ändernden Bedingungen wieder
reaktiviert werden. Die USA wollen zudem ihre ehemaligen nuklearen
Trägersysteme mit konventionellen Sprengköpfen versehen, um
damit binnen weniger Minuten jeden Punkt der Erde in einem
Überraschungsangriff - völkerrechtswidrig - treffen zu
können ("Prompt Global Strike").
- Der Vertrag ermöglicht es den USA ein umfassendes
Raketenabwehrsystem aufzubauen. Russland kann aus dem Vertrag
aussteigen, wenn es in der Raketenabwehr eine Bedrohung seiner
Sicherheit und des nuklearen Gleichgewichts sieht.
- Fast zeitgleich mit dem START-Vertragsabschluss verkündete
US-Präsident Obama die neue Nuklearstrategie der USA (Nuclear
Posture Review, NPR). Auch darin steckt kaum Neues gegenüber der
Bush-Doktrin von 2002.
- Obama besteht weiterhin auf der "Rechts"anmaßung der USA, als
erste Atomwaffen einzusetzen. Zwar will Obama, anders als seine
Vorgänger, künftig darauf verzichten, Atomwaffen gegen
Staaten einzusetzen, die über keine Atomwaffen verfügen;
ausgenommen davon werden jedoch alle Staaten, welche die USA
tatsächlich oder vermeintlich mit biologischen Kampfmitteln
angreifen oder den Atomwaffensperrvertrag verletzen. Länder werden
nicht mit Namen genannt,aber Iran, evtl. Nordkorea oder Syrien
kämen dafür in Frage.
- Auch wer angesichts des Ziels einer atomwaffenfreien Welt darauf
gehofft hatte, dass Obama auf die Entwicklung neuer Sprengköpfe
gänzlich verzichten würde, wird enttäuscht. Solche
Neuentwicklungen werden lediglich auf später verschoben.
Festgehalten wird indessen an der Weiterentwicklung und Modernisierung
der bestehenden Atomwaffen.
Aussagen über die taktischen Atomwaffen der USA in Europa (ca. 150
bis 200, davon 10 bis 20 in Büchel/Eifel) sucht man in der neuen
US-Nukleardoktrin vergeblich. Die Obama-Administration scheint kein
wirkliches Interesse an einem baldigen Abzug der Atomwaffen aus
Büchel zu haben - obwohl diesen Wunsch mittlerweile sogar die
Bundesregierung öffentlich vertritt. Im Gegenteil: Im US-Haushalt
wurden Gelder bereit gestellt, die dazu dienen sollen, zu prüfen,
inwiefern diese Atombomben modernisiert werden können. Und Obama
stellte fest, dass die taktischen Atomwaffen der USA in Europa als
Faustpfand gegenüber Russland dienen, um diese zur Abrüstung
ihrer rund 2.000 einsatzfähigen taktischen Atombomben zu bewegen.
Darauf lässt sich Russland indessen nicht ein, solange es im
konventionellen Bereich den USA bzw. der NATO so himmelweit unterlegen
ist.
Die Friedensbewegung wird weiter für den Abzug der US-Atomwaffen
aus Deutschland und für eine atomwaffenfreie Welt kämpfen.
Zur Zeit appelliert sie an die Teilnehmer-Staaten der im Mai
stattfindenden Überprüfungskonferenz des
Atomwaffensperrvertrag in New York mit einer weltweiten
Unterschriftenaktion "Für eine Zukunft ohne Atomwaffen". Darin
wird auch die Forderung nach einer unverzüglichen Aufnahme von
Verhandlungen für eine Nuklearwaffenkonvention erhoben. Eine
solche Konvention soll die Atomwaffen besitzenden Staaten endlich zur
Umsetzung des Art. 6 des Atomwaffensperrvertrags verpflichten, wonach
alle Atomwaffen abzurüsten sind.
Die Unterschriftenaktion läuft bis zum 30. April:
http://www.npt2010.de/appell/appell-online-unterschreiben.html
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