BürgerInnenversicherung statt Kostenpauschale


geschrieben von Carsten Zinn aus Beverstedt, Mittwoch den 14.04.2010

Lebensqualität, nicht nur im hohen Alter zu sichern, dazu muss Gesundheit bezahlbar sein. Mit der Kopfpauschale wird dies unmöglich. Da Gesundheit nicht nur das Fehlen von Krankheiten bedeutet, kann schon heute durch Früherkennung, Aufklärung und Vorsorge viel Leiden vermieden oder zumindest gemindert werden. Wer schon in der Kindheit gesünder ernährt wird und psychologische Krisen meistern lernt, hat große Chancen auf ein längeres Leben.

Zehn Euro Praxisgebühr schrecken bereits heute viele Menschen ab, zum Arzt oder Ärztin zu gehen. Menschen die auf staatliche Leistungen angewiesen sind, können sich selbst für sie wichtige Medikamente nicht leisten. Dabei verdienen gerade Erwerbslose und Harzt-IV EmpfängerInnen durch häufigerer Erkrankungen als Erwerbstätige besondere Beachtung. Die psychische Belastung ist hoch, und Langzeiterwerbslosigkeit macht krank. Schon jetzt privilegiert das Gesundheitssystem Gutverdienende, und mit der Einführung der Kopfpauschale wird dies weiter verstärkt! 

Geht es aber den JobinhaberInnen besser? Der Markt lastet immer stärker auf ihren Erwerbsplätzen. Teams verwalten ihre Urlaubsplanung, übernehmen durch die Übernahme der Arbeitsorganisation Verantwortung. Dies wird nur am Anfang als Autonomie gesehen, schnell wird daraus der pure Stress. Leistungskontrollen kommen hinzu, fast jeder erwerbstägiger Mensch ist durch e-Mail, Handy usw.. jederzeit und an jedem Ort durch Chefs zu erreichen und zu kontrollieren. Tarifschutz und aktive Betriebsräte werden durch Willkür und Unsicherheit ersetzt. 

Die Erholungszeiten werden durch zwei oder mehr Jobs kürzer. Immer weniger Zeit für die Familie, für gesellschaftliches Engagement sind die Folge. Dies erleben insbesondere Frauen, die zusätzlich durch oftmals prekäre Arbeitsverhältnisse belastet sind. Arbeitgeber gebrauchen menschliche Ressourcen in jungen Jahren und verbrauchen sie. Hier werden alle Erkenntnisse aus der Arbeitsmedizin missachtet. Das führt dann zu hohen Ausfallzeiten, Frühverrentung und vorzeitigem Tod. Nachhaltigkeit ist auch in diesem Bereich nicht mehr gefragt. Gesundheit wird als Wachstumsbranche mit steigenden Profiten gesehen. Dies führt zu immer mehr betriebswirtschaftlichen Denken und Handeln bei den Verantwortlichen. Knallhart durchkalkulierte Arbeitsabläufe führen zu absurden Erscheinungen. Der Mensch bleibt auf der Strecke! 

Die Kranheits.- und Pflegekatastrophe ist bereits jetzt die Realität. Gesundes leben bedeutet daher: Chancen erhalten und diese nutzen können. Kostenlose und zeitgemäße Bildung. Preiswerter und lebenswerter Wohnraum. Wertgeschätzte Beschäftigung, die sinnstiftend ist mit der Möglichkeit zu kulturellem und gesellschaftlichem Engagement. Schutz der Privatsphäre und Entwicklungsmöglichkeiten für jeden Menschen, um in dieser Gesellschaft gesund älter zu werden zu können. 

Die Durchsetzung der Kopfpauschale und das Fortschreiten der Privatisierung zerstören den Sozialgedanken und entbindet Unternehmen aus der Pflicht, denn jeder zahlt den gleichen Betrag. Zusätzlich soll der Festbetrag der Unternehmen nicht erhöht werden. Dies ist ungerecht und unsozial!

Die richtige Antwort auf Wettbewerb heißt solidarische Bürgerversicherung. Alle zahlen anteilig, entsprechend ihres Einkommens. Alle Einkommen werden berücksichtigt, auch die der Unternehmer. Daher die Kopfpauschale stoppen! Carsten Zinn aus Beverstedt

Fortsetzung mit einem Pressestatement von Halina Wawzyniak (MdB) - [hier klicken]



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